Soll E-Sport als Sport anerkannt werden? Pro und Contra

Seit Jahren wird die Debatte geführt, ob E-Sport als offizielle Sportart anerkannt werden soll. In mehr als 60 Ländern weltweit ist E-Sport bereits anerkannt und genießt die gleichen Vorteile wie traditionelle Sportarten. Des Weiteren steht derzeit zur Diskussion ob E-Sport eine Disziplin bei den Olympischen Spielen wird. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es bis dato noch keine Anerkennung als Sportart.

Artikel von Maximilian Anibas22. August 2019

Die Vorteile einer Anerkennung

Professionelle E-Sportler*innen und Organisationen aus dem Bereich kämpfen um eine Anerkennung als Sportart, um die gleichen Vorteile wie traditionelle Sportarten nutzen zu können. Dazu zählen unter anderem die Gemeinnützigkeit von E-Sport Vereinen für steuerliche Vorteile, erleichterte Einreise für Athlet*innen und allem voran die Verfügbarkeit von öffentlichen Fördergeldern. Des Weiteren erhofft sich die Community durch die Anerkennung eine höhere soziale Akzeptanz in der Gesellschaft.

Was dafür spricht

E-Sport ist auf vielen Ebenen mit klassischem Sport vergleichbar. E-Sportler*innen müssen regelmäßig trainieren, volle Leistung erbringen, klicken bis zu 300 Mal pro Minute und müssen in ihrem Training auch körperliche und mentale Fähigkeiten trainieren. Hinter dem Handeln der Athlet*innen steckt permanent die Absicht, die bestmögliche Leistung zu erbringen.

Körperliche und Geistige Fitness im Einklang

Herausragende Hand- Augenkoordination, Konzentrations- und Teamfähigkeit sowie geistige und körperliche Fitness sind wichtige Skills, die E-Sportler*innen und klassische Sportler*innen permanent zu verbessern versuchen.

Was dagegen spricht

Im Gegensatz zum traditionellen Sport sind Disziplinen im E-Sport von den Herstellern und Publishern der einzelnen Spiele abhängig. 

Während zum Beispiel die Regeln für Sportarten wie Fuß- oder Basketball stets gleichbleiben, werden bei E-Sport-Disziplinen die Rahmenbedingungen der Spiele, durch regelmäßige Patches der Entwickler, laufend modifiziert. Klassische Sportarten werden unabhängig und ohne Urheberrecht ausgetragen, im E-Sport dagegen stehen monetäre Interessen der Produktentwickler im Hintergrund. Die meisten Akteure im Sportwesen lehnen die Anerkennung des E-Sports mit der Begründung ab, dass die körperliche Aktivität beim E-Sport nur eine untergeordnete Rolle spielt und die vorwiegend sitzende Lebensweise in unserer heutigen Gesellschaft noch verstärkt wird. Spiele mit gewaltvollen Inhalten werden nach wie vor von öffentlichen Institutionen, Regierungen, Sportakteuren und von der allgemeinen Öffentlichkeit als ethisch bedenklich eingestuft und  als Gegenargument für eine Einbindung des E-Sports in den traditionellen Sport angeführt.

Chancen für den traditionellen Sport

Eine Anbindung des E-Sports an bestehende Sportstrukturen kann auch für den traditionellen Sport Chancen bieten. Vor allem können neue Zielgruppen und Mitglieder für bestehende Sportvereine, beispielsweise durch Implementierung von E-Sport- Abteilungen, erschlossen werden.

E-Sport hat auch großes Potenzial Innovationen und neues Knowhow in die traditionelle Sportwelt zu übertragen, sowie mit zielgruppenspezifischer Eventorganisation, -inszenierung und -vermarktung Impulse zu setzen.

Meine persönliche Meinung

 

Professionelle E-Sportler*innen sind Athlet*innen. Spieler*innen und Vereine, die an Ausbau und Professionalisierung der Szene arbeiten, gemeinnützig agieren und dabei in der kompetitiven E-Sport-Landschaft gute Ergebnisse erzielen, sollten Förderungen aus öffentlichen Geldern zustehen.

 

Ist E-Sport also Sport?

Meiner Meinung nach nicht unbedingt. Viel spricht dafür, viel spricht dagegen. In meinen Augen ist E-Sport eine eigene Kategorie. Der E-Sport hat seine eigene Identität, Kultur, Community und Regeln. Wir Gamer*innen brauchen die Zuordnung zum traditionellen Sport nicht um jeden Preis. Wir benötigen lediglich die gleichen Rechte.

Wir müssen den gesellschaftlichen Wandel nicht nur akzeptieren, sondern im Sinne von „Health In All Policies“ aktiv mitgestalten.

 

E-Sport ist gekommen um zu bleiben, machen wir das Beste daraus.

Der E-Sport kann eine Menge vom traditionellen Sport lernen und umgekehrt. Auf vielen Ebenen scheinen Kooperationen oder Verschmelzungen zeitgemäß und angemessen, auch für die Gesundheitsförderung von Computerspieler*innen sehe ich große Chancen in einer Angliederung an die traditionelle Sportwelt. Solange keine Bemühungen bestehen, gesetzliche Rahmenbedingungen für die öffentliche Förderung von E-Sport zu schaffen, gilt, zumindest für mich, das Credo:

E-Sport ist Sport!

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